• Katharina Siebert

Sollten wir mit unseren Kindern über den Krieg sprechen?

Nach 2 Jahren Pandemie kommen die Ersten gerade wieder in Ihre Kraft. Die Familien strecken sich dem Frühling entgegen und haben eine leise Hoffnung von "Post-Corona" in sich, als unsere Welt erneut aus den Fugen gerät. Krieg in Europa. Viele Familien sind durch Verwandtschaft und Bekanntschaft direkt oder indirekt betroffen und es macht sich eine tiefe Bestürzung in uns breit.


Ereignisse wie dieses lösen bei den meisten Menschen ein Gefühl von Angst und Ohnmacht aus. Wir suchen nach Erklärungen, nach Auswegen und nach Sicherheit. Auch Kinder nehmen die Ereignisse wahr - sei es durch die Medienberichterstattung, durch Gespräche unter Erwachsenen, oder den Austausch auf dem Schulhof und im Kindergarten. Wenn Kinder von einem solchen Ereignis erfahren oder Krieg und Gewalt in Bildern miterleben und sich damit alleingelassen fühlen, kann das tiefe Spuren hinterlassen.


Unsere wunderbare KiTa hat den Eltern eine kleine Hilfestellung an die Hand gegeben, die wir hier nun gerne mit euch teilen möchten. Wenn ihr Fragen habt, oder verunsichert seid, wie ihr das Thema in eurer Familie am besten ansprecht, meldet euch gerne bei uns.



Wieviel Information kann man Kindern zumuten?

Ob man mit Kindern darüber sprechen sollte, hängt vom Alter bzw. individuellen Entwicklungsstand ab und davon, ob und was sie bereits davon mitbekommen haben. Mit sehr kleinen Kindern unter 3 Jahren sollte man im Allgemeinen nicht über das Geschehene sprechen.


Bei Kindern etwa ab 4 oder 5 Jahren sollte man die Äußerungen der Kinder aufgreifen und individuell abwägen und bearbeiten. Erwachsene sollten die Informationen, die die Kinder bereits haben, bestätigen und Fragen kindgerecht beantworten, jedoch nicht initiativ weitere Informationen hinzufügen. Die Kinder sollten diese Informationen möglichst von ihren vertrauten Erwachsenen erhalten und nicht aus der Berichterstattung der Medien, da sie die vielen Informationen und Bilder nicht richtig einordnen können. Dies könnte Unsicherheit und Ängste vergrößern.


Bei Schulkindern muss man davon ausgehen, dass sie von diesen Ereignissen über die Nachrichten oder ihren Mitschülern auf dem Pausenhof erfahren. Diese Informationen, können sehr irritierend sein, da insbesondere Grundschulkinder die Dimensionen eines Krieges noch nicht begreifen und sich Informationen sehr stark vermischen können. Deshalb sollte ein Ereignis, wie ein Krieg, mit ihnen von Seiten der Erwachsenen direkt und sehr zeitnah aufgegriffen werden. Kinder brauchen kindgerechte Erklärungen und das Gefühl, dass wir auch über solche Ereignisse mit ihnen sprechen. Wichtig sind kurze Botschaften mit klaren Worten, die zusätzliche Dramatisierungen vermeiden.


Wenn Kinder Fragen äußern, sollten Erwachsene einfühlsam und Hoffnung gebend antworten. Am wichtigsten ist es, den Kindern Sicherheit und Zuversicht zu vermitteln. Alle Unsicherheiten auf unserer Seite übertragen sich potenziert auf die Kinder, weil ihnen Erfahrung und Weitsicht fehlen, aber auch die Fähigkeit, solche Geschehnisse in Zusammenhängen zu denken.



Wie kann man ehrlich sein, ohne Ängste zu verstärken?

Auf die Frage, ob ein solcher Krieg auch bei uns stattfinden kann, sollte man Mut gebend antworten: „Ich glaube nicht. Das ist bei uns unwahrscheinlich.“ Und gleichzeitig die Dinge aufzählen, die uns Sicherheit geben: Unsere Politiker, die Bundeswehr, das Bild der NATO, als Symbol für "Freundesländer", die sich gegenseitig unterstützen, kann den Kindern helfen, sich geschützt zu fühlen. Die Kinder müssen erfahren, dass die verletzten Menschen nicht allein sind, sondern dass ihnen schnell geholfen wird: zum Beispiel in Krankenhäusern, wo sich Ärzte um sie kümmern, dass Menschen Spenden sammeln und dass die anderen Länder alles dafür tun, dass die Menschen, die das getan haben, bestraft werden (Gerechtigkeitssinn bedienen).


Alle Kinder brauchen Erwachsene, die in solchen Situationen Ruhe bewahren, Sicherheit ausstrahlen und einen Ausweg wissen.



„Peng- du bist tot!“ – ist Krieg spielen ok?

Nicht nur zu Karneval stehen Pistolen, Säbel und Schwerter bei Kindern hoch im Kurs. Insbesondere für Jungen ist das Spiel mit Waffen das ganze Jahr über attraktiv. Plastikgewehre, Panzer oder eine Sammlung von bis an die Zähne bewaffneten Actionfiguren gehören in vielen Kinderzimmern heute zur Grundausstattung. Haben wir etwas falsch gemacht, fragen sich Eltern, wenn der Nachwuchs mit Lust und Freude durch die Gegend ballert? Ist es normal, dass unser Kind mit Waffen spielt? Müssen wir die Aufrüstung im Kinderzimmer verbieten? Und das jetzt erst recht?


Aus pädagogischer und psychologischer Sicht wäre ein Verbot nicht sinnvoll. Wir begleiten das Spiel und bleiben im Gespräch mit den Kindern. Wieso, weshalb, warum- hier ein kleiner Exkurs:


Macht Krieg spielen aggressiv?

Mit dieser Frage haben sich zahlreiche wissenschaftliche Studien beschäftigt. Wie Günther Gugel, Geschäftsführer des Instituts für Friedenspädagogik in Tübingen, berichtet, lässt sich ein direkter Wirkungszusammenhang zwischen dem Spiel mit Spielzeugwaffen und gewaltorientierten Verhaltensmustern nicht nachweisen. Experten gehen davon aus, dass das Kriegsspiel ein Bestandteil innerhalb eines Ursachenbündels sein kann, das in bestimmten Lebenssituationen aggressives Verhalten und Gewalt möglicherweise hervorruft. In der Regel ist der Spaß am "Rumballern und Totschießen" jedoch ein normaler Schritt innerhalb der kindlichen Entwicklung.


Stark und unverwundbar sein

"Spielzeugwaffen faszinieren, weil sie in der Imagination die eigenen Fähigkeiten potenzieren", erklärt Günther Gugel. Gerade für Kinder, die sich oft ohnmächtig und den Erwachsenen unterlegen fühlen, ist das attraktiv. Jemanden im Spiel totzuschießen, ermöglicht es, fiktiv Kontrolle auszuüben und sich die Welt gefügig zu machen. Anders als Eltern befürchten, können Kinder dabei sehr wohl zwischen Spiel und Realität unterscheiden. Bei ihren Schießereien geht es nicht darum, den Spielgefährten zu verletzen oder zu töten, sondern um das Erleben von Macht und Stärke.


Spannungen abbauen

Kinder setzen sich im Spiel mit ihrem Alltag auseinander. Wenn es dabei kriegerisch zugeht, haben sie die Möglichkeit, aggressive Gefühle zu bewältigen, so die heute verbreitete Expertenmeinung. "In vielen Familien ist ein großes Spannungspotential, das Kinder mitkriegen und das sie verarbeiten müssen", sagt Günther Gugel. Auch Christian Büttner, Diplompsychologe und Mitarbeiter der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung, ist der Auffassung, dass das Spiel mit Waffen eine wichtige Funktion erfüllen kann: den "ungefährlichen" Umgang mit Aggressionen.


Die Monster besiegen

"Kinder brauchen Monster" hat der bekannte Kinderpsychologe Bruno Bettelheim gesagt, und auch Christian Büttner ist der Meinung, dass das kindliche Spiel mit angstmachenden Figuren eine wichtige Funktion erfüllen kann: "Kinder verarbeiten das, was sie bedroht, in der Phantasie", erklärt der Psychologe. Wenn sie im freien Spiel, bei dem sie die Regeln selbst bestimmen können, den Kampf "Gut gegen Böse" inszenieren, setzen sie sich mit ihren Ängsten auseinander. "In dem Moment, wo die Kinder damit spielen, haben sie Gewalt über die bedrohenden Phantasien," so Christian Büttner.



Wie kann man erkennen, ob ein Kind ein solches Ereignis gut verarbeitet – oder womöglich Unterstützung benötigt?

Manchmal beschäftigt ein solches Thema ein Kind weiterhin. Daher sollten Eltern und pädagogische Fachkräfte aufmerksam beobachten, wie die Kinder auch Tage später auf das Geschehene und unsere Erklärungen reagieren. Indikatoren können Rollenspiele, Träume oder gemeinsame Gespräche sein, in denen die Kinder das Ereignis auf kindgerechte Art verarbeiten.

Wenn Kinder trotz Erklärungen und Achtsamkeit nicht zur Ruhe kommen, sollten Eltern das vertrauensvolle Gespräch mit den Pädagogen in der KiTa suchen und sich Unterstützung holen.


Hilfestellungen zum Erklären

https://www.wdrmaus.de/extras/mausthemen/ukraine/index.php5 https://www.zdf.de/kinder/logo/streit-zwischen-ukraine-und-russland-100.html


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