• Katharina Siebert

Ein Hoch auf "Pre-Re-Vacation"

Die Vorfreude auf Bekanntes.


Bevor wir Kinder hatten, haben wir sie belächelt: die Familien, die immer wieder an dieselben Orte fahren. "Mein Gott, so werden wir nicht!" - davon waren wir damals wirklich überzeugt. Weit gefehlt.


Nun - 6 Jahre und 2 Kinder später - bejubel ich heute total enthusiastisch "Pre-RE-Vacation". Während ich vorhin die T`Shirts der Kinder langsam aus dem Keller holte, um zu schauen, was noch passt, dachte ich eigentlich: "Oh man - typisches Mental-Load-Phänomen. Der Mann ist draußen mit den Jungs und ich muss alles im Kopf haben: Passen die Sandalen? Haben wir noch Sonnencreme? Kann der Kleine die Sachen vom Großen anziehen, oder ist er auch schon zu groß? Sind die Pässe eigentlich noch gültig?, .....". Ich könnte ewig so weiter schreiben und viele von euch wissen sicherlich, was ich meine :)


Und dann kam ein anderes Gefühl dazu: Die Vorfreude, auf einen Ort, den wir unfassbar lieben. Ein Ort, der uns schon in Gedanken warm umarmt, eine Küche, die durch die Mischung aus arabiaschem, ostafrikanischem und indischem Essen Ihresgleichen sucht und eine Natur, die uns jedes Mal förmlich einsaugt.


Und natürlich hebt die Vorfreude auf Urlaub immer die Stimmung. Dafür gibt es umfangreiche Studien. Für uns ist es aktuell eben genau dieser eine Schritt mehr. An einen Ort zu fahren, den wir durch viele Urlaube bereits sehr gut kennen.


Das mag für viele wirklich grausam klingen und wir haben Freunde, die mit ihren Kindern ständig auf Reisen in ferne Gegenden sind - alles wunderbar. Wir nicht. Dafür fehlt uns nach 2 Jahren Corona, nach nicht abnehmenden sorgenvollen Nachrichten zur Ukraine, einfach die Kraft. Wir brauchen Bekanntes.


Unser Alltag in der Stadt ist urban, eng, oft wenig "artgerecht" für unsere Kinder. Aus diesem Grund sind wir sowieso jedes Wochenende im Wald. Damit die Kinder Laufen können, sich Ausprobieren können, ohne Autos, Straßenbahn und Stadtlärm. Wir alle 4 brauchen das. Eintauchen in Platz und Selbstbestimmtheit. Natürlich haben wir das auch in unserem Alltag im Blick, aber die Vorteile der Stadt haben eben auch die Kehrseite.


Und so tun wir es immer wieder: Wir fahren an dieselben Orte. Dort, wo ich als Kind in den Kiefernwäldern am Ostseestrand gespielt habe, toben sich nun unsere Jungs aus. Unbeobachtet erkunden sie jedes Jahr ein Stück mehr Land. Und so ist es auch im Oman für uns. Vertrautes Gebiet - Freiheit für die Kinder. Jeder findet sich schnell zurecht, die Grenzen der (un-) endlichen Freiheit müssen nicht immer neu runtergebetet werden. Sie sind gelernt. Das können unsere Jungs wunderbar akzeptieren. Sie haben auf der anderen Seite auch viel Freiraum. Und weil die Jungs das so gut machen, können wir so richtig Urlauben und uns gemeinsam und jeder sich selbst genießen. Beim Wandern in den Bergen, Sterne schauen in der Wüste, Schildkröten beobachten am Strand, Rotwild entdecken im Urwald oder Hühnergrötter sammeln am Ostseestrand.


Und deshalb stelle ich voller Euphorie, bei schönstem Sonnenschein, eine Waschmaschine voll bunter T-Shirts an und bin erfüllt. So einfach kann es manchmal sein.


Wohin reist ihr am Liebsten? Neue Wege? Altbekanntes? Was reizt euch? Was ist Euch wichtig?



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